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Warum SMART POPULATIONS?

Trotz einer umfangreichen Forschung zu Medien, ihren Geschichten, ihren Wirkungen, ihren technologischen Veränderungen gibt es bislang keine plausible Erklärung dafür, warum sie wann entstanden, warum die medialen Fähigkeiten des Menschen sich so unterschiedlicher Ausdrucksformen und Techniken bedienten und dennoch so viele Gemeinsamkeiten aufweisen?

Die physiologischen Bedingungen der medialen Selbstbefähigung des Menschen sind ebenso wenig erforscht, wie die interaktiven und somit kulturellen Entstehungsbedingungen dieser medialen Befähigung, der medialen Umgebungen sowie der Entwurfs- und Auswahlbedingungen für Neues in den Kommunikationswelten.

In meinem Ansatz gehe ich davon aus, dass zu allen Zeiten mehrere Wahrnehmungs-, Intelligenz- und Anwendungsfelder aufeinander bezogen sein müssen, um eine Koordination von z.B. Zeichen, Zeichensystem, Speicherung, Übertragung, Selektion, Standardisierung zu erlangen. Medienevolution ist polylogisch zu erforschen.
Das bedeutet, dass die Inter-Akteure erforscht werden müssen, deren selektives Zusammenwirken zu Format-, Material-, kommunikativen Funktions- oder diachronen Tradierungsentscheidungen führen. Dies wird hier nicht als ein individualisiertes Unterfangen verstanden, im Sinne: ein Erfinder konkurriert gegen den anderen. Vielmehr werden Erfindungen als kollektive Produkte verstanden, die zwar einen ´Erfinder´ haben, dieser aber als eine Figuration (N. Elias) kultureller Informations- und Wissensbestände, ihrer Irritabilität und Kombinierbarkeit erfasst werden.
Die damit angesprochenen Netzwerke werden von mir nicht als ausschließlich selbstreferenzielle Systeme verstanden. Netzwerke selbst stehen in einem strukturell beschreibbaren Interaktionsgefüge, das zwar an diese Netzwerke gebunden ist, allerdings nicht in der Dynamik rückbezüglicher Wechselwirkungen allein aufgeht. Auch innerhalb von Netzwerken müssen Entscheidungen getroffen werden, die mehrere Schaltungsverläufe überdauern. Netzwerke in sich sind als Kultur nur schwerlich zu beschreiben. Der von mir vorgeschlagene Forschungsansatz greift diese Frage auf und arbeitet mit der Grundthese, dass in allen Zusammenhängen der Informationsentstehung und –selektion, der Medienerfindung und –diffusion Akteursgruppen selektive und strukturell-setzende Funktionen entwickeln und übernehmen.
Medienevolution ist in diesen Prozessen konkurrierender Wissenspositionen, Nutzungsoptionen, kultureller Evolution menschlicher Wahrnehmungs- und Abstraktionsfähigkeit sowie wissenschaftlicher Erforschung materialer Träger-, Sender-, Prozessiertechnologien anzusetzen.
Dieses Zusammenspiel sehr unterschiedlicher visueller, abstrahierender, auditiver, kommunikativer, technischer, logischer, funktionaler Codierungen birgt allein die Chance, dass eine Speicher-, Transport-, Darstellungs- oder Erhaltungsidee zu einer medialen Funktion wird.

Da ich derzeit im Feld der Anthropologie des Medialen und der Medienevolution forsche und lehre, liegt mein Augenmerk zum einen auf der Frage, welche Menschen mit welchen Ideen, Modellen, Normen, mit welchem wissenschaftlichen, institutionellen, prozessgebundenen, stummen, experimentellen oder systematischen Wissen, mit welcher Interaktivitäts- und Kooperationsfähigkeit zu medienevolutionären Prozessen beitragen können. Zum anderen ist für mich eine dringende wissenschaftliche Frage, wie die wechselseitigen Vernetzungen von Menschengruppen gestaltet und aktiviert werden müssen, um (a) Erneuerungen zu erzeugen, (b) diese anwendungsbezogen zu codieren, und (c) sie als neuen kulturellen Standard durchzusetzen und zu ´normalisieren´?

Der Terminus, der dies zusammenführen soll, ist

SMART POPULATIONS

Attach:Smartpopulations_Fassler.pdf

Last update 05.01.2007 10:05 Uhr | Login
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